Hier gibt es Regeln!

Nur welche?
Müssen die Teilnehmer eines NPV-Ranglistenturniers einheitliche Oberbekleidung tragen? Diese Frage sorgte beim Leinetalturnier in Essel am 25.08. für Aufregung. Da sich die Schiedsrichter nicht einig waren, musste gleich zu Beginn des Turniers die Jury eine Entscheidung treffen. Oberschiedsrichter Roland Krings verkündete bei der Begrüßung den irritierten Gästen, dass die Frage diskutiert wurde, aber erst später beim nächsten Schiedsrichtertreffen geklärt werde. Glücklicherweise durften alle Teilnehmer mitmachen; auch ohne einheitliche Trikots. Hätte sich die Gegenmeinung durchgesetzt, hätten mehr als die Hälfte der anwesenden 255 SpielerInnen wieder nach Hause fahren können.

Wie ist es denn nun?
Die Einladung zum Turnier enthielt keinen Hinweis zur Bekleidung. Auch in der „NPV Sportordnung“, der „Richtlinie Ranglistenturniere“ und der „Richtlinie für die Ausrichtung von Landesmeisterschaften und Ranglistenturnieren„, die auf der Webseite des NPV bereit stehen, konnte ich nichts zu einheitlicher Oberbekleidung finden. Nun ist es grundsätzlich auch möglich, dass bei einer Mitgliederversammlung beschlossen wurde, dass auch bei Ranglistenturnieren die Bekleidungsregel gelten solle. Wenn die Regel aber nicht veröffentlicht und nicht in die offiziellen Dokumenten aufgenommen wurde, dann kann sie nicht gelten. Woher sollten die Teilnehmer davon wissen?

Na dann ist ja alles schön, oder?
In Essel hatte die Jury ja nun beschlossen, dass man sich nicht mehr mit der Frage der einheitlichen Bekleidung beschäftigen will. Es hätte also ein entspannter Tag werden können. Für eine Schiedsrichterin war das Thema aber offenbar noch nicht vom Tisch. So rief sie Spieler ohne einheitliche Oberbekleidung zu sich und belehrte sie, dass ihr Verhalten „respektlos“ sei. Sehr häufig war auch der Vorwurf zu hören, dass die Spieler nicht korrekt auf den Bahnen standen. Wer schon mal in Essel im hinteren Teil gespielt hat weiß, dass es auf den kleinen und direkt aneinander grenzenden Bahnen oft nicht möglich ist korrekt zu stehen. Ebenfalls zu bestrafen sind laut der Unparteiischen auch diejenigen, die die angeblichen Regelverstöße Ihrer Gegner erst ermöglichen würden, weil sie nicht dagegen angingen. Es musste also mal hart durchgegriffen werden. Diverse Spieler wurden verwarnt. In einer anderen Situation ließ sich die Schiedsrichterin während des Spiels die Lizenz eines Spielers geben um diese zu kontrollieren. Anschließend warf sie diese dem Teilnehmer mehr oder weniger vor die Füße, anstatt sie zurück zu geben. Solche Aktionen der Unparteiischen sorgten für Unverständnis und Ärger, anstatt für einen geordneten Ablauf des Turniers.

Kann das weg?
Keine Frage: Regeln und deren Einhaltung sind wichtig und bilden die Basis für einen sportlich fairen Wettkampf. Deshalb ist es auch wichtig, dass einige aus unserer Mitte sich dazu bereit erklären bei besonders wichtigen Wettkämpfen als Schiedsrichter für die Einhaltung der Regeln zu sorgen. Vielen Dank an euch, dass ihr eure Zeit dafür opfert, anstatt selbst zu spielen. Das Amt des Schiedsrichters erfordert aber mehr als die Kenntnis der Regeln. Und selbst diese ist leider nicht jedem gegeben. Neben einem gesunden Durchsetzungsvermögen ist auch Fingerspitzengefühl gefragt. Warum werden diejenigen, die Schiedsrichter werden wollen, nicht dahingehend geprüft, ob sie menschlich dafür geeignet sind? Spätestens dann, wenn sich heraus stellt, dass jemand nicht geeignet ist, sollte der NPV auch keine Einsätze mehr vergeben.

Unnötige Regeln abbauen
Wir sollten mal überprüfen, ob wirklich alle Regeln in unseren Verordnungen sinnvoll sind. Wollen wir die Einhaltung von Bekleidungsregeln tatsächlich über die Möglichkeit zur Teilnahme stellen? Ist es denn wirklich wichtig, dass ein Raucher auch bei einer Spielunterbrechung nicht rauchen darf? Wozu ist es gut, dass bei einem Turnier, an dem nur Spieler teilnehmen, deren Lizenznummern vorab geprüft wurden, während einer laufenden Partie Lizenzkontrollen stattfinden? Glaubt noch jemand daran, dass wir doch noch olympisch werden, wenn wir uns nur möglichst weit weg von der Idee des Spiels entfernen? Wir sollten mal gemeinsam darüber nachdenken was uns wirklich wichtig ist.

Ranglistenturnier. Nein danke!
Als ausrichtender Verein würde ich mir zweimal überlegen, ob es denn unbedingt ein Ranglistenturnier sein muss. Wen interessiert die Rangliste überhaupt? Und herrscht das Chaos, wenn kein Schiedrichter da ist? Nach meinen Erfahrungen ist ein fairer Umgang mit den Gegnern ohne anwesenden Ordnungshüter kein Problem. Bei Meinungsverschiedenheiten kann die Turnierleitung schlichten. Auf jeden Fall bliebe dem Ausrichter erspart, dass ein Schiedsrichter die Hälfte der Gäste wieder nach Hause schicken will, weil er sich möglicherweise bei der Regelung zur Bekleidung geirrt hat.

Übrigens
Es war trotzdem ein großartiges Turnier und ein super Wochenende. Hoffentlich dazu bald mehr von Robby.

Ich freue mich auf eure Kommentare und andere Meinungen.

7 Kommentare

  1. Sigurd Göbel

    In diesem Zusammenhang fiel mir der sehr lesenswerte
    „au fer Essay 5“ von Joppo wieder ein.
    (Waffengleichheit & Schiedsrichter – Ein leidiges Kapitel auf vielen (nicht nur deutschen) Bouleplätzen dieser Welt).
    Fundstelle : https://www.boule.de/PDF/Essay5.pdf
    Im übrigen ein hohes Lob an Robby und sein Team für die tolle Organisation – das hat viel Arbeit gemacht!

  2. Hubert Vähning

    Wenn Mannschaften im sportlich fairen Wettstreit gegeneinander antreten, sollten meiner Meinung nach folgende Punkte Beachtung finden:
    1. Mannschaftlich einheitliche Kleidung hilft Beteiligten (Spielern/Schiedsrichter etc.) wie auch Unbeteiligten (Zuschauern)
    und egal, ob es sich um Ligaspiele, Ranglistenturniere oder sonstige Turniere handelt.
    Die Erkenntnis ist nicht neu und dieser K(r)ampf begleitet unser Boulespiel seit etlichen Jahren.
    2. Beim „Ultimate Frisbee“ gibt es keine Schiedsrichter und das hat seinen Grund im „Spirit oft he Game“. In den WFDF-Ultimateregeln Stand 27.02.2017 steht folgender Satz, der dem Boule gut zu Gesicht stehen würde:
    1 Spirit of the Game
    1.1. Ultimate ist ein kontaktfreier Sport ohne externe Schiedsrichter. Alle Spieler sind dafür verantwortlich, die Regeln zu befolgen und deren Einhaltung zu überwachen. Ultimate beruht auf dem Spirit of the Game, der die Verantwortung des Fair Plays jedem Spieler überträgt.
    3 „Rangliste“ laut Duden:
    Eine Liste, in der jemand oder etwas nach Größe, Leistung, Erfolg o.Ä. eingestuft wird.
    „Rangliste“ laut Wikipedia:
    Ermittlung von Rangordnungen einzelner Sportler oder Mannschaften über einen festgelegten Zeitraum

    …das diese Themen aktuell so heiß gehandelt werden, muß mit dem Wetter Zusammenhängen :)…und geht nicht so hart miteinander ins Gericht

  3. Ulli Brülls

    1. Das leidige Team-Klamottenthema war vor Turnierstart abgehakt. Schwamm drüber.
    2. Kritik an einzelnen Schiri-Auftritten wird meines Wisssens vom aktuell Zuständigen im NPV-Vorstand sehr ernst genommen. Änderungen im Verhaltensstil lassen sich aber nicht mit einem Federstrich verordnen.
    3. Das im NPV geltende Leitbild sieht den Unparteiischen als zurückhaltenden, freundlichen und einfühlsamen Helfer der Aktiven. Spaß am Kartenzücken passt nicht in dieses Leitbild, dem sich die ganz große Mehrheit meiner Schiri-Kolleg*innen verpflichtet fühlt. Einzelne Gegenbeispiele rechtfertigen vieles, ein kleinkariertes Ressentiment gegen die bestehenden Regelwerke aber nicht.
    4. „Wen interessiert die Rangliste überhaupt?“ fragt Nils. Kann sein, dass er persönlich sich ein Ei darauf pellt. Aus einem Dutzend Jahre als RL-Zuständiger im NPV und DPV kann ich sagen, mache nur einen Fehler bei der Punktwertung, und schon hast Du am nächsten Morgen die entsprechende Mail des Betroffenen im Postfach. Kann sein, dass man die eigene Eitelkeit nur ungern zugeben mag: Aber das Interesse an den Ranglisten ist breit und ungebrochen. Dass diese Rankings im NPV obendrein ein halbwegs rationales Setzverfahren bei Landesmeisterschaften begründen, sollte auch Nils nicht entgangen sein.

  4. Das sehe ich ähnlich. Wenn Schiedsrichter bei Meinungsverschiedenheiten im Spiel regelkundig helfen, nachmessen und ggf. deeskalieren können, dann mag das ja sinnvoll sein. Aber sich ungefragt einmischen, ohne von einem der Teams gerufen worden zu sein, sich selbst im Ton vergreifen und dann schnell zu gelb-roten und orangenen Karten zu greifen, das hab ich so vorher noch nicht erlebt. Diese Schiedsrichter(in) sollte sich ein anderes Hobby suchen.

  5. Arnd Richarz

    Richtig peinlich wurde es, als die sogenannte Schiedsrichterin wirklich mal um Hilfe gebeten wurde. Als es darum ging, die korrekte Entfernung der „Sau“ zu bestimmen (6m ja oder nein) musste sie passen, weil sie ihr langes Maßband vergessen hatte! Ich würde sagen dunkelrot….

  6. Jörg Müller

    Wie du schreibst wurde die Frage der Oberbekleidung gleich zu Beginn, also vor Turnierstart geklärt, da versteh ich die Aufregung nicht, wenn sich jemand im Regelwerk mal kurz verirrt.
    Zu den anderen Vorwürfen kann ich nichts sagen, es nervte aber schon wenn „Fremde Spieler“ gerade auf den hinteren Plätzen zwischen denjenigen, dessen Mitspieler im Kreis stand, und dem Spielfeld durchgingen, anstatt hinter diesen lang zu gehen.
    Bei Ranglistenturnieren und Meisterschaften vertrete ich persönlich die Ansicht, dass zumindest eine einheitliche Oberbekleidung sein sollte. Auch viele andere nichtolympische Sportarten verfahren so. Bei den zahlreichen anderen Turnieren kann ja jeder so rumlaufen wie er möchte.

  7. Lutz aus LG

    Gebe Dir recht!
    Die anwesende Schiedsrichterin hat sich tatsächlich mehrfach völlig im Ton vergriffen. Und dies Leuten gegenüber, die schon sehr sehr lange Boule spielen und sich immer zu benehmen wissen und wussten. Sie hat sich vor allem auf Schuhwerk und Bekleidung konzentriert. In Sachen Messen und Regelkunde (Sauwurf) war sie dagegen – höflich formuliert – unsicher. Insgesamt braucht es aus meiner Sicht keine Schiedsrichter auf niedersächsischer Ebene. Vor allem nicht solche, die offensichtlich mit dem kleinen Bisschen Macht nicht umgehen können.
    Keinen Abbruch tut dies aber der hervorragenden und liebevollen Turnierorganisation. Die Esseler werden sich den Schuh auch sicher nicht anziehen.

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