Bouleträume

Jürgen Piquardt

von Fehlleger Jürgen Piquardt
22.3.2o14

Die bevorstehende Gründung des Vereins  Boulefestival Hannover e.V., der Weg dahin, die bisherige Geschichte des Traditionsfestivals verführen mich, meine Bouleträume, so nenne ich das schlicht, aufzuschreiben, soweit sie das zulassen.

Gestern haben wir, Heike und ich, im provencalischen „Kreisstädtchen“  St.Maximin einen Film über und mit Pierre Rabhi gesehen. Pierre Rabhi, jetzt ein Guru ganzheitlicher  Landwirtschaft, ist in der ungemein glücklichen, sehr seltenen Lage umfassend einverstanden zu sein, mit dem, was seine Arbeiten bewirkt haben und weiterhin bewirken werden. 76 Jahre ist dieser glückliche kleine, große Mann alt. Mich hat der Film über, vor allem aber mit Pierre Rabhi, deutlich berührt. Traumwandlerisch zielsicher wurde oft, ohne große Umwege scheint es, das Richtige getan. Von mir weiß ich hingegen, dass das Geradeausgehen nicht zu meinen Stärken gehört. Die Frage, die sich für den 72jährigen ergibt: Kann trotzdem sichtbar werden, wirken und nachwirken, was er getan hat, tut und noch tun wird?

Beinahe wäre die Geschichte des Boulefestivals Hannover Ende 2o13 zuende geschrieben gewesen. Es schien so, als würden all die vielen Bemühungen, vom Kreisverband, von den Vereinen, von FestivalliebhaberInnen, von mir, das zur Tradition gewordene niedersächsische Boulespektakel zu retten, erfolglos enden. Nun wird es aber doch eine Fortsetzung dieser sehr eigenwilligen und in dieser Form einmaligen Bouleveranstaltung geben. Zu danken ist das der Landeshauptstadt Hannover, der Privatbrauerei Herrenhausen und wichtigen Freunden, die das wirtschaftliche Risiko bereit sind, mitzutragen. Der  positive Ausgang dieser langwierigen Rettungsgeschichte macht mich glücklich. Und stabilisiert die alten Bouleträume:

Baguette, Ziegenkäse, Rotwein, das Zirpen der Zikaden, das Klicken der Boulekugeln –  so hießen die, alles eingetaucht in Sonnenstrahlen, Sonnenschatten und unermesslich voll besternte Himmel, ersten Liebesgründe für die Provence. Das Baguette hat seinen Reiz nicht halten können, Ziegenkäse und Rotwein schon, das Zirpen der Zikaden und das Klicken der Metallkugeln ganz sicher. Ich bin, nach wie vor, verliebt in belebte Bouleplätze. Und in dies wunderbare, die Menschen verbindende, harmonisierende Sportspiel. Nach Niedersachsen, nach Deutschland wollte ich diese Athmosphäre holen. So ist vor 37 Jahren das Restaurant La Provence entstanden. So ist es vor 18 Jahren zum ersten Boulefestival auf der Lindenallee im Georgengarten gekommen. Geplant war
das Festival am Nordufer vom Maschsee. Dafür gab’s jedoch keine Genehmigung, aber die Stadtoberen haben nicht nur abglehnt, sondern auch vorgeschlagen: Den Georgengarten. Kein schlechter Vorschlag, wie sich im Laufe der Jahre zeigte. Möglich wurde die Realisierung des ersten Boulefests, weil vom Boulespielen infizierte Niedersachsen, an vorderster Stelle Karl Heinz Engelke und Erich Braun, die Organisation und Durchführung des sportlichen Festivalteils übernahmen. Welch’ ein Glück, dass es zu dieser Crew kam. Welches Glück und welch’ wichtiger, unschätzbarer Wert ist das Hinzukommen vieler MitorganisatorInnen, MitmacherInnen gewesen. Bis heute, und nur so konnte sich der Boulefestivaltraum in die Zukunft retten, ist dieser Wert der sich vernetzenden, unterschiedlichen Fähigkeiten von sich freundschaftlich verbundenen MacherInnen geblieben.

Der Bouletraum hatte und hat noch andere Bilder und Filme zu bieten: Überall auf Wegen, Plätzen in Niedersachsen, auf der Welt, wird Boule gespielt. Das Spiel hilft uns, tolerant, friedfertig, verständnisvoll miteinander umzugehen. Es wirkt der traurigen Tendenz zum Vereinsamen entgegen. Es stiftet dauerhaft Freude. Und schließt keinen aus: Nur einmal werden Kugeln gekauft. Mehr braucht es finanziell nicht zu sein. Pierre Rabhi schreibt von „Oasen an allen Orten (Oasis en toux lieux)“ Er meint gärtnern, landwirtschaften, ganzheitlich zusammenleben. Meine Träume fügen das Spielen mit den Metallkugeln und dem „Cochonnet“ hinzu.  Meine Träume schließen die in die Zukunft weisenden  Festival-Aktivitäten meiner Tochter und die der nächsten Generationen mit ein.

Allez les boules. Alles les reves. „Oasis en tous lieux“.

1 Kommentar

  1. Eitel-H.Neumann

    Danke, lieber Jürgen, Du lässt die Tradition weiterleben. Es hätte z.Zt. kein Zweiter geschafft. Deiner Zielstrebigkeit ist es zu verdanken, dass Hannover solch ein Highlight erhalten bleibt. Vereine, Verbände und die Stadt Hannover müssen Dir ewig dankbar sein, dass es Dich gibt. Mit einer Randsportart eine so bedeutende Werbewirksamkeit für die Landeshauptstadt Hannover zu erzielen, ist kaum zu toppen.Das Festival hat nicht nur in Hannover oder Niedersachsen einen hohen Stellenwert sondern weit darüber hinaus in vielen anderen europäischen Ländern. In den historischen „Herrenhäuser Gärten“ hat dieser Sport auch seinen richtigen Standort. Meine persönliche Hoffnung verbinde ich mit dem Wunsch, dass Dein Einsatz uns noch lange erhalten bleibt und in den zukünftigen Jahren die Weichen für einen Fortbestand dieses Festivals erarbeitet wird gestellt werden (Änd. auf Wunsch des Verfassers -C.F.).

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