Statement des Ligabeauftragten zur Regionalisierung im NPV

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I. Grundsätzliches zur Regionalisierung

a. Dachorganisation – Unterbau:

Die gesamte Last der Verbandsarbeit wird nur von einem Vorstand mit Beauftragten getragen. Ein Unterbau fehlt vollständig. Dies beim laut Mitgliederzahl drittgrößten Pétanque-Verband Deutschlands!

b. „Die Vorschläge sind teils unausgegoren … das sich an keiner Stelle auf eine Analyse der bestehenden Probleme stützen kann.“ (Zitat Ulli Brülls, ptank.de)

Es ist sehr erstaunlich, wenn jemand behauptet, dass dieses Konzept auf keiner Analyse der bestehenden Probleme in den Bereichen Liga und LM beruht. Immerhin haben drei Beauftragte, die mit der Materie von LM und Liga bestens vertraut sind und daher, man könnte sagen, tagtäglich mit den entsprechenden Problemen beschäftigt sind, in der AG mitgearbeitet. Hinzukommen noch drei SpielerInnen, die genügend Erfahrung von LMs und Ligaspielen mitbringen, sowie der ehemalige Vize-Präsident Sport des NPV, dem man bestimmt keine Unkenntnis bzgl. der Bereiche LM und Liga vorwerfen kann.

c. „Das Konzept ist am Reißtisch entworfen worden“ (Zitat Ulli Brülls, ptank.de)

Dieser Vorwurf ist absurd! Am Reißtisch sind Grenzen ohne Rücksicht auf wirtschaftliche und kulturelle Gegebenheiten und Beziehungen gezogen worden. Beispiele hierfür sind die innerdeutsche Grenze und die Berliner Konferenz, auf der Afrika im 19. Jh. aufgeteilt wurde. Wir haben bestehende Gegebenheiten (funktionierender Verband Hannover)und Beziehungen (gewachsene Spielkultur in den einzelnen Gebieten wie zum Beispiel regionale Turnierformen) berücksichtigt.

d. Die Aspekte Chancengleichheit und Gerechtigkeit

Diese Begriffe ziehen sich durch Ullis Argumentation. Jeder müsste eigentlich wissen, wie subjektiv bzw. ungenau diese Begriffe gerade auch im Sport sind. Es kommt eben auf den einzelnen Standpunkt an:

Unser Prinzip lautet vor allem, die Arbeitslasten werden von ein paar Wenigen auf mehrere Schultern verteilt. Das finden wir gerecht!

Den Begriff Chancengleichheit bezieht Ulli vornehmlich auf den Aspekt Auf-/Abstiege. Als Beispiel stellt er die Aufstiegschance heraus (Vergleich Hannover mit Südost), benutzt als entscheidendes Kriterium die Anzahl der Mannschaften, die um den Aufstieg spielen. Das ist eine stark verkürzte Betrachtungsweise. Den Aspekt „Spielstärke“ lässt er dabei völlig außen vor. Ist dieses „Problem“ Tagesgespräch in den Verbänden, die Jahr für Jahr in den unteren Klassen mit unterschiedlicher Anzahl von Mannschaften spielen, z.B. Fußball, Basketball?

Hat eine Mannschaft, die knapp 2 Stunden zum Spielort fahren muss, die gleichen Chancen auf einen Sieg wie eine Mannschaft, die nur kurz mit der Straßenbahn zum Spielort fährt? Fakt ist, dass insbesondere Mannschaften, die in der untersten Spielklasse spielen oder sich neu gebildet haben, ein Interesse daran haben nicht weit fahren zu müssen. Bei unserem Modell weiß diese Mannschaft aufgrund der Bezirkseinteilung von vornherein, wie weit die Anfahrten sind. Beim aktuellen Modell ist dies nicht gewährleistet.

Vielleicht kennen einige von euch das Zentrum – Peripherie – Modell. Es wird zur Erklärung räumlicher Ungleichheiten herangezogen. Die Kernaussage ist, dass die Entwicklung des Zentrums begünstigt und die der Peripherie verhindert/verzögert wird. Sinn macht es also, diesem Trend entgegenzusteuern, sprich die Peripherie zu fördern. Stattdessen fordert Ulli „Viel besser wäre es, Vereine mit guten Anlagen und zentraler Lage finanziell und vor allem personell so zu unterstützen, dass sie regelmäßig als LM-Gastgeber fungieren mögen“. So werden aber bewusst die Zentren wie die Räume Hannover und Bremen weiter gefördert und damit Ungleichheiten verfestigt. Das ist ungerecht und steht der Chancengleichheit im Weg! Olympische Spiele und Weltmeisterschaften finden eben aus gutem Grund nicht immer dort statt, wo es die meisten Sportler in dieser Sportart gibt, sondern abwechselnd auf den einzelnen Kontinenten. LM in den Randgebieten sind Werbeveranstaltungen für unseren Sport.
Ulli Brülls stellt die These auf: Die Bezirksgliederung ist aufgrund der Anzahl an Lizenzen und Mannschaften ungerecht. Wenn dieses Argument Allgemeingültigkeit besitzen würde, müssten in vielen anderen Sportarten Regionen bzw. Bezirke anders zugeschnitten werden.

e. Die Aspekte Hannover und Struktur Niedersachsens

Natürlich haben wir uns Gedanken zu den Aspekten Hannover (bestehender Bezirk, Anzahl der Vereine und Spieler), der Anzahl der möglichen Bezirke, der räumlichen Ausdehnung Niedersachsens (nicht so kompakt wie z.B. NRW!) und der Verteilung der Bevölkerung innerhalb Niedersachsens gemacht. Unser Ziel ist es, Bezirke zu schaffen, die

  • gewachsene und gelebte Strukturen berücksichtigen
  • groß genug sind, einen sinnvollen Ligabetrieb mit mindestens einer BOL und einer BL zu gewährleisten,
  • klein genug sind, um Fahrwege zu minimieren.

Wir haben auch Varianten mit 2 und 4 Regionalligen erörtert. Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile stellte sich das von uns erarbeitete Konzept aber als das beste von allen heraus.

f. Realitätsferne bzgl. der Besetzung von Ämtern

Einerseits macht Ulli Brülls uns diesen Vorwurf, andererseits spricht er aber über LM-Arbeitstage, die Vereine leisten müssen, die am LM-Betrieb teilnehmen wollen. Das ist aus unserer Sicht nicht ganz logisch.
Warum schaffen die von uns vorgeschlagene Arbeitsteilung aber andere Verbände? Ticken z.B. Nordrhein- Westfalen anders?

II. Liga

a. Analyse

Das sehr schöne und harmonische Bild vom Ligabetrieb, wie es von Ulli Brülls und Erich Wolf dargestellt wird, ist so nicht nachzuvollziehen.

Als neuer Ligabeauftragter sind mir beim Erstellen der Ligapläne 2019/20 folgende Dinge aufgefallen:

Die einzelnen Staffeln werden von Jahr zu Jahr nach geografischen Gesichtspunkten neu zusammengestellt (LSpO 3.1]. Dies bedeutet, dass der Ligabeauftragte ca. 150 Teams – die NL kann man außen vor lassen – jedes Jahr wieder auf die einzelnen Ligen aufteilen muss. Wegen des Kriteriums „geografische Nähe“ sind entsprechende Kenntnisse unabdingbar:

  • Wo liegen zum Beispiel die Orte Grenzland Laarwald, Altenberge-Erika oder Borstel?
  • Wie sind die Verkehrswege (Entfernung der Spielorte korreliert nicht unbedingt mit der Fahrdauer).

Die geografische Nähe ist aber nicht das einzige zu berücksichtigende Kriterium. So heißt es in der Ligastrukturordnung unter 3.2 „Die Staffeln einer Liga werden so zusammengestellt, dass die beteiligten Teams möglichst kurze Anfahrtswege zu den Spielorten haben und zwei Teams eines Vereins möglichst nicht in derselben Staffel spielen“ und unter 8.3 „Die Staffelgrößen [Bezirksligen] dürfen sich höchstens um ein Team unterscheiden…“

Man muss schon ein Magier sein, um diese 3 Aspekte unter einen Hut zu bekommen. Man schiebt und schiebt und bekommt es doch nicht sauber hin. Dies gilt insbesondere für das Jahr 2020, da 72 Bezirksligateams auf 12 Ligen aufgeteilt werden mussten. Ligen mit 5 und 7 zu konstruieren ging aufgrund der Vorgaben nicht. Schiebt man z.B. Grenzland Laarwald zur Küste oder zur Grafschaft? Egal, welche Entscheidung man trifft, es hat Folgen für alle weitere Staffeln.

Was bleibt von der geografischen Nähe? Hier Beispiele aus den Jahren 2019 und 2020:

  • Hameln darf bis kurz vor Hamburg nach Nenndorf fahren (RL)
  • Krankenhagen darf nach Braunschweig fahren (BOL)
  • Allez Allee darf nach Bremen fahren (BL)
  • Wiedensahl darf für ein Spiel nach Füchtenfeld fahren (BOL)

b. Ergebnis der Analyse

Die Problematik kurz zusammengefasst lautet

  • Maßgebliche Kriterien in den entsprechenden Ordnungen widersprechen sich und erschweren die Arbeit enorm, wobei das Ergebnis nicht befriedigen kann. Es besteht folglich ein Missverhältnis Input (Arbeitswand wegen sich widersprechender Vorgaben) – Output (Staffeleinteilungen).
  • Wenn der Beauftragte insbesondere in der wichtigen Phase Dezember – März kurzfristig ausfällt, gibt es aktuell niemanden, der hier einspringen könnte, da der Unterbau fehlt. Bezirkskoordinatoren wären mit der Materie zumindest teilweise schon vertraut und könnten kurzfristig in Koordination mit dem Vorstand die Geschäfte am Laufen halten.
  • Fehlende Klarheit und Transparenz: Für die Ligateams ist es teilweise nicht nachvollziehbar, warum welche Mannschaft in welcher Staffel spielt. Entsprechende Anrufe bei mir erzählen eine entsprechende Geschichte.

An dieser Stelle stellt sich zwangsläufig die Frage

Mit welcher Struktur lässt sich der Ligabetrieb einfacher und klarer organisieren, insbesondere bei steigenden Teilnehmerzahlen, und die Organisation durchschaubarer und nachvollziehbarer für die teilnehmenden Vereine machen sowie Paarungen wie zum Beispiel Allez gegen Bremen auf der untersten Ligastufe vermeiden?

Man schaut einfach über den eigenen Tellerrand hinaus und guckt, wie andere Pétanque-Landesverbände bzw. Sportverbände (Fußball, Basketball usw.) es machen. Denn, wie Erich Wolf treffend feststellt, man muss das Rad nicht neu erfinden, sondern nur für Niedersachsen anpassen, z.B. wegen der räumlichen Struktur des Landes. Die „2-Mannschaften- Regelung“ gibt es übrigens auch bei anderen Landesverbänden.

In größeren Verbänden wird überall dezentralisiert. Können all diese Verbände irren? Oder sind sie zu dumm für das System Freiheit, wie es Ulli gern beibehalten möchte?

Sind die Einteilungen des Ligabetriebs in anderen großen Verbänden von Wirrwarr geprägt? Viele von uns haben früher Fußball, Tennis, Volleyball usw. gespielt, aber von Wirrwarr nichts mitbekommen. Oder haben wir Ungerechtigkeiten verspürt?

Die Vorteile der Dezentralisierung liegen auf der Hand:

  • Die Arbeit wird auf mehrere/viele Schultern verteilt
  • Randgebiete werden besser einbezogen
  • Die einzelnen Staffeln müssen nicht mehr jedes Jahr neu zusammengestellt werden
  • Jede Mannschaft, jeder Spieler weiß, gegen welche Mannschaften sie/er im Falle eines Auf- bzw. Abstiegs spielt.

Nach einem solchen Umbau ist die Struktur zukunftsfähig. Egal, ob die Anzahl der am Ligabetrieb teilnehmenden Mannschaften wächst oder schwindet. Man muss im Gegensatz zu den aktuellen Richtlinien keine Veränderungen vornehmen.

Durch das „starre“ Konzept der Regionalisierung wird das ganze System klarer und somit für jeden Einzelnen nachvollziehbarer und ist nicht vom Gutdünken des Ligabeauftragten abhängig.

III. Schlussbetrachtung:

Wir erheben nicht den Anspruch, das non-plus-ultra Modell entworfen zu haben. Aber aus unserer Sicht ist es das Regionalisierungsmodell, welches den NPV derzeit und für die Zukunft am besten aufstellt.

Wir müssen uns entscheiden. Was ist wichtiger?

Ein System der Freiheit, welches von Einzelnen nur mit sehr großem Arbeitsaufwand zu bewerkstelligen ist und letztendlich den Ansprüchen geografischen Nähe und Transparenz nur teilweise gerecht wird

oder

ein System, das bei Verteilung der Lasten und damit weniger Arbeitsaufwand gut funktioniert, zukunftsfähig und dabei klar und nachvollziehbar für alle ist.

M. Wiegräfe, Ligabeauftragter

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